Introduktion


Herzlich willkommen auf der Webseite des Instituts für Gesangsforschung "Belcanto und Musikdrama"! Hier möchten wir Sie zum Gespräch über die Rolle des Gesangs in der Musik einladen.

Was ist der Gesang? Was liegt in seinem Inneren, welche Merkmale sind ihm eigen? Das sind die faszinierenen Fragestellungen, die Antworten auf die von den Mitgliedern des Instituts gesucht werden.

An dieser Stelle wäre es angebracht, zwei große Männer zu zitieren, die ihr Leben in den Dienst der Musik gestellt und viel uber die Oper und den Gesang nachgedacht haben: Rodolfo Celletti und Carl Dahlhaus.

In einigen Traktaten - vorab bei Manuel Garcia dem Jüngeren, Gilbert Louis Duprez und Luigi Lablache - sind die wichtigsten Regeln beschrieben, an die sich in den ersten vierzig Jahren des 19. Jahrhunderts die Interpreten bei repräsentativen Aufführungen zu halten hatten. Im Prinzip müßten sie, um einen ausdrucksvollen Gesang hevorzubringen, dazu fähig sein,
1) eine "messa di voce" auszuführen, also gleichmäßig von pianissimo zu fortissimo zu steigern und wieder zurückzukehren zu pianissimo;
2) zu binden ("legare") und zu tragen ("portare"), das heißt, innerhalb einer musikalischen Phrase weich, aber sauber, überzugehen von einer Note zur andern, und bei Intervallen die Stimme graziös und leicht von Note zu Note zu tragen, ohne dazwischenliegende Töne hören zu lassen; 
3) so zu "phrasieren", dass jedes Motiv einer Phrase individuell gestaltet ist und gesondert hervortritt - im Paragraphen, der die Phrasierung betrifft, wird auch die Fähigkeit erwähnt, die Länge des Atems genau nach der Dauer des Motivs zu kalkulieren, und nötigenfalls Pausen einzulegen, wo vom Komponisten keine vorgesehen sind;
4) die Intensität der Töne zu nuancieren ("sfumare"), damit piano, forte und die dazwischenliegenden Stufen dem Sinn der Phrasen und Worte gemäß abwechseln;
5) die Verzierungen makellos sauber auszuführen.
Wenn auch nur eine dieser Fertigkeiten fehlte, galt der Ausdruck nicht als vollkommen.

(Rodolfo Celletti, Geschichte des Belcanto, Kassel, 1989, S. 175f.)

"Eine Theorie der Oper, deren Ziel es ist, eine brauchbare Grundlage für die Interpretation einzelner Werke in ihrer Besonderheit zu sein, müßte Kriterien zu entwickeln versuchen, aufgrund derer sich Abstufungen der musikalischen Realisierbarkeit von Handlungsmomenten bestimmen lassen".

(Carl Dahlhaus, Was ist ein musikalischen Drama?, in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. 2, hrsg. von Hermann Danuser u . a., Laaber: Laaber 2001, S. 555.)


Die Forschungsarbeit in diesem Sinne weiterzuführen ist das erklärte Ziel unseres Instituts.

Michael Vodnitskiy
Institutsleitung