Loading...

Institut


Das Institut für Gesangsforschung "Belcanto und Musikdrama" wurde in Dezember 2018 in Berlin gegründet.

Es versteht sich als ein Forum für den Meinungsaustausch in Bezug auf alle Formen der Vokalmusik, insbesondere aber - auf die Oper.

Im Zentrum des Interesses des Instituts steht "der Gesang" als eine besondere Form der künstlerischen Kreativität des Menschen.

Aus diesem Grunde adressiert das Institut seine Forschungsarbeit in erster Linie den ausübenden und den angehenden Sängern, doch auch all denen, die beruflich mit dem Thema "Gesang" zu tun haben: den Dirigenten, den Orchestermusikern, den Theatermanagern und den Mitarbeitern der künstlerischen Agenturen.

Es ist das Anliegen der Mitglieder des Instituts, all den genannten Gruppen der am Theater tätiger Spezialisten mehr über das bis heute sagenumwobene und öfters im Dunkel liegende Thema zu erklären, um ihnen zu helfen, sich auf dem Weg in die Zukunft besser orientieren zu können.

Im Kunstschaffen der bedeutendsten Opernsänger, derer Tondokumente uns zur Verfügung stehen, wie E. Caruso, M. Callas, B. Gigli, R. Tebaldi, J. Sutherland, L. Pavarotti etc. erweisen sich eindeutuge Gemeinsamkeiten. Gehören diese Gemeinsamkeiten zum Bereich der Gesangstechnik oder eher zur Interpretation? Waren alle diese Sänger in einer Belcanto-Tradition ausgebildet? Und wenn ja, ist der Belcanto als eine Gesangstechnik für die Interpretation des dramatischen Opernrepertoires gut geeignet? Wenn Sie die Antworte auf diese Fragen erfahren wollen, dann werfen Sie einen Blick auf die vom Institut durchzuführende Workshops.

Ein besonderes Interesse der Forschungsarbeit unseres Instituts gilt der authentischen Belcanto-Gesangstechnik Canto sul fiato. In seinem Buch Geschichte des Belcanto definiert Rodolfo Celleti diese Gesangstechnik wie folgt:

Von den Kastraten wurde vor allem sul fiato oder vom Atem gebildete und gestützte Gesang geplegt, den Theoretiker wie Tosi und Mancini - zwei Kastraten - in ihrer empirischen Sprache Brustresistenz nannten und umschrieben als: "die Stimme mit der natürlichen Kraft der Brust halten, ohne dabei die Gurgel zusammenzuziehen, da der Ton sonst fehlerhaft und schwerfällig" sei. Korrekter wäre wohl Atem anstellle von Brust, und sagen wollten die beiden Autoren, dass bei richtiger Phonation ein Ton allein mit der ganz bewußt beim Singen aus der Lunge entlassenen Luftmenge gebildet, ausgehalten, verstärkt und abgeschwächt wird, wobei der Sänger die Tätigkeit des Zwerchfells reguliert und den Antagonismus der Muskeln zum Ein- und Ausatmen spielen läßt.

Rodolfo Celletti, Geschichte des Belcanto, Kassel, 1989, S. 114-115.

Im Lexikon der Gesangsstimme wird diese Gesangstechnik so beschrieben:

Unter cantare sul fiato versteht man ein Singen auf dem Atem. Gemeint ist die klanglich ideale Atemregulation, die zu einem balancierten Ton führt, der zugleich klangvoll, aber nicht gedrückt ist. 

Ann-Christine Mecke, Martin Pfleiderer, Bernhard Richter und Thomas Seedorf (hrsg.), Lexikon der Gesangsstimme, Laaber: Laaber, ²2018, S. 616.

Des Weiteren finden wir im Buch von Celletti folgende Hinweise auf diese heutzutage fast in Vergessenheit geratene Gesangstechnik: 

Es fällt nicht ganz leicht, die „sul fiato“ erzeugte Stimme zu beschreiben, obwohl sie das geschulte Ohr sofort erkennt.

Ebd., S. 115.

Bei Schallplatten kann man leicht erkennen, ob ein Interpret sul fiato singt oder nicht; und doch wird der Unterschied von den meisten heute unterrichtenden Lehrern nicht wahrgenommen. Bei den Aufnahmen der größten Primadonnen der vergangenen dreißig Jahre zeichnet sich eine Rückkehr zur klassischen Phonation ab, die schon fast ganz verschwunden war, und erst wieder auftauchte mit Callas, Tebaldi, Olivero, Simionato und Schwarzkopf gleich nach dem Krieg. Von Gencer, Sutherland, Horne, Caballe, Freni,Verrett, Kabaivanska und andern wurde sie anschließend übernommen… Im Bereich der Männerstimmen verhält es sich genau umgekehrt; hier ist ein technischer Verfall unverkennbar, darum sind es immer die großen Tenöre, Baritonisten und Bassisten der Zwanziger- und Dreißigerjahre, die die tauglichsten Beispiele für das Singen sul fiato geben.

Ebd., S. 116.


Friedrichstraße 95, 10117 Berlin
+49-151-45083509